Freitag, 10. September 2010

Die nächsten Salons

Der Sommer ist vorbei, ach!
Die Salons kommen wieder. Bitte vormerken:
Am 30. Oktober 2010 Salon mit Arn Aske.
Am 4. Dezember 2010 Salon mit Christian Halbrock.

Dienstag, 27. Juli 2010

Das Wilde Fest 22. Mai 2010

Nachlese

Die Wilde Party

20 Uhr, es ist Zeit:
Gläser und Getränke stehen bereit,
die Stühle im Kreis,
die Häppchen sind auch endlich heiß;
einige kommen schön früh,
und ich hab schon eine Laufmasche am Knie!
Wir trinken eine Flasche Crémant,
blättern und warten,
blättern und warten,
und dann fangen wir an.
Ich begrüße kurz und dann
gehen wir alle erst einmal nach nebenan
in den Musiksalon zu Nachbars next door.
Dort stelle ich die Sängerin vor:
Trautlind Klara Schärr,
Multitalent mit Manager
Hasso, aus Bremen angerauscht.
Unaufgebauscht
singt sie und spielt Klavier:
„Georgia on My Mind“, den Jazzklassiker,
dann Mischa Spoliansky--
„Ich bin ein Vamp!
Ich bin ein Vamp, ich bin halb vertiert!
Ich saug` die Männer an und aus!
Ich mache Fricassee daraus!“
Dann noch Friedrich Hollaenders "Die Kleptomanin";
Fragen?
Jösa kennt Spoliansky, fachsimpelt: Natürlich!
denke ich unwillkürlich.

Dann gehen wir zurück in mein Boudoir;
die englische Queenie ist jetzt da.
Tom kommt noch.
Wir lesen los:
„Queenie was a blonde, and her age stood still,
And she danced twice a day in vaudeville.“
Also erst English
und dann... –ist das pingelig?
„Queenie war blond, ohne Alter so eine:
Schmiß zweimal pro Tag beim Vaudeville die Beine.“
Protest!
Müssen wir wirklich? Wir müssen.
So ist nun mal das Wilde Fest,
erst Englisch, dann German,
nicht nur die Übersetzer wollen das hören.

Das Personal:
Queenie (Donna) mit cool brodelndem Westküstenkharma,
Burrs (Richard)--pures britisches Drama,
Queenie auf Deutsch (ich—nun doch nicht blond),
wieder Burrs (Jösa) zwischen Gutenachtgeschichte und Gosse.
Die Kates (Isabel, Christina) New-York/Berlin
mit den Queenies im Clinch,
ihr Geliebter Black auf Englisch (Steph)—was für ein Galan
und auf Deutsch (Sven)—dass man sich hüte!--
ein Verführer erster Güte.
Es tritt Dolores (Laetitia) auf den Plan,
sonor und seidig glatt
wie Mousse au Chocolat.
Madeleine (Silke) mit kurzem Rock,
Jackie (Olaf), einer der gern zockt,
den starken Eddie und die zarten Armano-Brüder
gibt Thomas für uns wieder.
Mae und Nadine (Yael) mit feschem Akzent
und für alles Übrige, was so brennt,
auf Schottisch Tom, auf Englisch Jo,
und Arn auf Deutsch, sowieso.

The gang was there when midnight came
the studio was lit by candle flame

Die Kerzen zuckten; so ging es jetzt rund;
Die Schatten hielten sich im Hintergrund.

Dann ist Schluss.
Wir essen und trinken,
versinken
so im Nachklang,
ein wildes Fest kommt nicht in Gang,
na ja, muss
ja nicht.

Dann klingelt’s.
8 junge Menschen stehen vor der Tür
Wo ist denn jetzt der Salon?
Sie sehen sich kurz um,
wir reden im Treppenhaus
über Salons heute und früher.
Dann ruft’s von eins tiefer:
„Ej, die Party ist hier!“
Und so schwärmen sie wieder aus.

Wilder wurd’s nun auch nicht mehr,
höchstens ein wenig controvers
manche mochten den Text,
einer sagte: Also, für mich ist das nur
heterosex-
uelle Nischenliteratur!

Fair enough, doch was haben wir gelacht!
Jetzt aber: Gute Nacht!

Fazit: Die wilde Party hat dann ja doch nicht mehr in der Realität stattgefunden, aber das zweisprachige Lesen war klasse! Olaf

Und so erklärt es Art Spiegelman im Vorwort „Intoxicating Rhythm”:
March’s “lost” generation saw civilization unglued by The War to End all Wars. Our “foundering” generation has recently seen the End of History. His generation swilled bathtub gin and had a wild party. Our generation gulps Prozac—or gets lost in used bookstores—while waiting for the cops to rush in.

„Berauschende Rhythmen“:
Im Großen Krieg, der das Ende aller Kriege hatte sein sollen, sah Marchs „verlorene“ Generation die Zivilisation außer Rand und Band. Unsere „scheiternde“ Generation hat vor kurzem das Ende der Geschichte erlebt. Seine Generation soff Fusel und feierte wilde Partys. Unsere Generation schluckt Prozac—oder treibt sich in Antiquariaten rum--und wartet, dass die Polizei reingestürzt kommt.

Die kam aber gar nicht!


Mittwoch, 5. Mai 2010

Einladung zum 22.Mai 2010::: May 22, 20120

Salon No. 25: Time for The Wild Party (1928) by Joseph Moncure March
Salon Nr. 25: Zeit für Das wilde Fest (1995) übersetzt von Uli Becker
They just don’t make them like that anymore: parties that is, and poems. MAUS artist Art Spiegelman resuscitated this “lost classic,” restored it to the original version, and complemented it with his dramatic illustrations (that it almost doesn’t need).
So was gibt es heute gar nicht mehr: solche Parties and solche Gedichte. Art Spiegelman, der Cartoonist von MAUS, hat diesen „verlorenen Klassiker“ ausgegraben, in seiner originalen Version wiederhergestellt und um seine eigenwilligen Illustrationen ergänzt (die es eigentlich fast nicht braucht).
It is the Jazz Age somewhere in America. Queenie, a vaudeville dancer, and Burrs, a (macho) clown, are in the relationship doldrums. They decide to throw a party to spice things up. So a bunch of original and shady characters get together at their place for drinks, dance, and debauchery. A semblance of true love that begins to blossom amidst this orgy brings the party to an abrupt end, and it is no Hollywood ending.
Es sind die wilden Zwanziger irgendwo in den USA. Queenie, eine Varietétänzerin, und Burrs, ein (macho) Clown, langweilen sich in ihrer eingefahrenen Beziehung. Sie beschließen, eine Party zu schmeißen, um die Dinge ein wenig aufzuheizen. Also treffen sich bei ihnen ein paar ungewöhnliche und finstere Charaktere zum Trinken, Tanzen und Ausschweifen. Als so etwas wie wahre Liebe inmitten der Orgie knospet, ist die Party plötzlich ganz schnell zu Ende, und ein Happy End ist es nicht.
Joseph Moncure March’s narrative poem features pulsating rhythms and intricate rhymes, is part study of human behavior and sexual relations and part ironic tableau of his time. Following its rediscovery and publication in 1994, the Wild Party premiered as two musicals in 2000 on Broadway (with Toni Collette as Queenie) and off-Broadway. Uli Becker translated it to German; Otto Sander recorded it as an audiobook.
Das erzählende Gedicht von Joseph Moncure March hat pulsierende Rhythmen und verwinkelte Reime, ist Studie menschlichen Verhaltens und der Geschlechterbeziehungen und ein ironisches Gemälde seiner Zeit. 1994 wiederentdeckt und neu veröffentlicht wurde die Wild Party im Jahr 2000 als Musical auf dem Broadway (mit Toni Collette als Queenie) und Off-Broadway gezeigt. Uli Becker hat es als „Das wilde Fest“ ins Deutsche übersetzt; Otto Sander las es als Hörbuch.
But who needs Broadway, if we can stage our own production and have our own Wild Party at the salon? On May 22, we are going to do a collective reading of both the English and German versions. It’s a long poem, so it’s going to be a long night, but there will be breaks, and drinks, and maybe food, and it might all end in a “wild party” (minus the gun, the murder, and the cops.) Did I mention that it’s the 25th salon?
Aber wer braucht den Broadway, wenn wir im Salon unser eigenes wildes Fest aufführen und veranstalten können? Am 22. Mai werden wir in einer gemeinschaftlichen Lesung die englischen und deutschen Fassungen lesen. Es ist ein langes Gedicht, und so wird es eine lange Nacht, aber wir werden Pausen machen, es wird Getränke und vielleicht etwas zu Essen geben, und möglicherweise wird alles in einer „wilden Party“ enden (ohne Revolver, Mord und Polizei). Habe ich schon gesagt, dass es der 25. Salon ist?
Queenie and Burrs are the hosts, and then there are going to be the following guests (cf. Wikipedia): fading star Dolores; Kate, Queenie's best friend and rival; Black, Kate's younger lover, who has his eye on Queenie; Jackie, a rich kid who has his eye on everyone, regardless of gender; the incestuous D'Armano brothers; the Lesbian stripper Madelaine True and her girlfriend Sally; underaged Lolita-like Nadine; and prizefighter Eddie and his wife Mae.
Queenie und Burrs laden ein und dann sind noch zu Gast (vgl. Wikipedia): Der verblassende Star Dolores; Queenies größte Freundin und Rivalin Kate; Kates junger Liebhaber Black, der sich in Queenie verguckt; Jackie, ein reicher Typ, der sich in alle verguckt, egal welches Geschlecht; die inzestuösen D'Armano-Brüder; die lesbische Stripperin Madelaine True und ihre Freundin Sally; die minderjährige Lolita-ähnliche Nadine; und der Boxer Eddie und seine Frau Mae.
And you? Hope to see you there, too!
Und Du? Ich hoffe, Du kommst auch?

Freitag, 23. April 2010

Bella Moissejewna Reinsdorf


Bei der Übergabe unserer Spende im April 2010 in Berditschew.