Dienstag, 8. März 2011

Kurze Nachlese

Karneval der Literaturen am 5. März 2011


Wir sahen Fotos aus Nizza, Venedig, Teneriffa, Rio, New Orleans, Aruba.
Wir lasen Texte über den Karneval in Rom, über Mardi Gras und Purim in New Orleans, über Karneval und die Polen in Argentinien, ein Gedicht zum Karneval in Düsseldorf und einen Brief aus der Studentenrevolution in Jugoslawien 1996.
Eingeladen hatten die "Feuchtgebiete".
Die Preise gingen an einen Piraten, eine indianisch-cowboyische Völkerverständigung und Dr. ex. zu Guttenberg. Verliehen wurde erstmals auch der Preis für den besten Karnevalsmuffel--in diesem Falle eine Spezialgästin, die praktisch am nächsten Tag nach Brasilien zurückkehrte, wo man noch viel besser karnevalsmuffeln kann als hier.

Der nächste Karneval der Literaturen ist am 18. Februar 2012.
Bis dahin: Lebt! Und lest! Und überlegt Euch ein Kostüm!

Karneval der Literaturen 5. März 2011








Dienstag, 22. Februar 2011

Einladung zum Salon am 5. März 2011 - Karneval

Helau, liebe Salonfreunde!
Hallo, liebe Karnevalsmuffel!
Für den jüdischen Autor Rodger Kamenetz, der in New Orleans lebt, ist Karneval ein katholisches Purimfest: „Bei Purim wie auch bei Mardi Gras geht es um die Maskerade, beide feiern das Welt-auf-den-Kopf-stellen, beide fördern das Betrunkensein: Die beiden Feste sind in vielerlei Hinsicht seelenverwandt.“
Dazu mehr beim
Karneval der Literaturen am 5. März 2011 um 20 Uhr,
zu dem ich auch in diesem Jahr wieder einlade.
Eingeladen sind vor allem auch Karnevalsmuffel, die unbedingt demonstrativ und ostentativ als solche erscheinen sollen. Der/die beste Karnevalsmuffel/ine wird prämiert!
Also: Kommt! Wenn’s geht: Kommt mit Kostüm! Noch besser: Kommt im literarischen Kostüm im weitesten Sinne! Kommt als literarische Figuren oder Buchtitel, als Dichter, Schriftsteller, Autoren oder Kritiker, als Genres oder Formen! Kommt also als Anne Rice oder Thilo Sarrazin, als Ghostwriter oder als Plagiat, als Mackie Messer oder Der Sandmann, als Blechtrommeln oder Madeleines, als Haikus oder dicke Wälzer, als „Hundert Jahre Einsamkeit“ oder als „Das Parfüm“, als Anna Karenina oder Faust, als Jean-Paul Sartre oder Toni Morrison, als Sonett oder als Encyclopédie, als rasender Reporter, als Was ihr wollt oder Wie es euch gefällt. Und falls das alles zu schwierig ist, dann kommt irgendwie vage verkleidet und denkt Euch einen tollen Titel dafür aus. Das beste Kostüm wird wieder, völlig subjektiv, prämiert. Dann hören wir wieder Musik und/oder tanzen.
Bitte gebt mir Bescheid, ob Ihr kommt und ob Ihr einen Büttentext oder Musik beisteuert. Getränke, tellerfreies Essen, Blumen wie immer erwünscht.
Ich freue mich auf Euch.
Salut Ina

Donnerstag, 13. Januar 2011

Nachlese


Salon mit Christian Halbrock am 4. Dezember 2011
„Wir wollen uns die DDR auch mal von außen ansehen“ hieß es im Herbst 1989 auf einem Plakat, das mir aus dem Herzen sprach. Es war bei einer Montagsdemo in Dresden oder bei der ganztätigen Alex-Kundgebung am 4. November 1989, die ich mir im Fernsehen angeschaut habe. Damals ging es nämlich noch um eine bessere DDR und um die Reisepässe, die wir bald bekommen sollten.
Seitdem haben wir uns die DDR, die Bundesrepublik und Europa öfter und länger von außen ansehen können, vieles vergessen und durch neue Eindrücke ersetzt. Manche leben immer noch irgendwie in ihrer kleinen DDR, jetzt mit Westauto. Manche sind nach Westdeutschland gezogen und dort heimisch geworden, manche aber auch nicht. Und andere schauen sich die DDR von Berufs wegen von außen bzw. im Rückblick an. Christian Halbrock ist einer von ihnen. Er ist Historiker und arbeitet derzeit bei der Birthler-Behörde.
Im Salon erzählt er uns zunächst von seiner neuesten Arbeit für den Band „Unerkannt durch Freundesland. Illegale Reisen durch das Sowjetreich“ im Lukas-Verlag, der im Ergebnis einer Ausstellung zum gleichen Thema erscheint. Darin kommen Abenteurer aus der DDR zu Wort, die auf eigene Faust durch die riesige, wilde UdSSR gereist sind, und Christian hat dazu die Aktenlage gesichtet und aufgearbeitet. In die Sowjetunion konnte man ja eigentlich nur auf Einladung reisen, aber einige haben die bei der Polizei eingeholte Erlaubnis zur dreitägigen Transitreise nach Rumänien oder Bulgarien für diesen Zweck etwas ausgedehnt. Das ist zum Teil recht amüsant, wenn etwa ein unverfrorener Reisender seinem Stasi-Führungsoffizier eine Postkarte vom Baikalsee schickt oder ein anderer die sowjetischen Behörden, die ihn festnehmen, mit Schwärmereien über den Kaukasus so verwirrt und entnervt, dass sie ihn laufen lassen. Christian erzählt lieber, als er liest, und das Publikum ergänzt mit eigenen Erfahrungen, Beobachtungen und Überlegungen, so dass die Lesung eher zu einem lebendigen Gespräch wird.
Im zweiten Teil geht es um „Weggesprengt. Die Versöhnungskirche im Todesstreifen der Berliner Mauer 1961-1985, eine detaillierte Schilderung des Schicksals dieser unspektakulären und von vielen im Stich gelassenen Kirche. Es entfaltet sich eine unerwartet spannende Geschichte von Mächtespielen in Ost und West, über den relativen Spielraum der Kirchen in der DDR, darüber, wie auch Einzelpersonen ihre Ämter prägten, wie kreativ und spielerisch Opposition sein konnte. So wurde der Abriss der Versöhnungskirche erst durch die zusammenwirkende Konformität vieler einzelner möglich. Die Geschichte ihrer allmählichen Verurteilung und Verdammung lässt den Leser mit der Kirche mitbangen, schutzlos und verlassen im Niemandsland, wie sie war, und setzt ihr ein kleines Denkmal.
Eigentlich entstand diese Arbeit im Auftrag der Gedenkstätte Berliner Mauer, die sie dann wegen ungenehmer Ergebnisse nicht veröffentlichen wollte, so dass sie 2008 als Sonderheft der Zeitschrift Horch und Guck. Zeitschrift zur kritischen Aufarbeitung der SED-Diktatur erschien. Dazu schreibt Christian im Vorwort: „Manch gedenkpolitischer Akteur und auch manch Zeitzeuge wird an der einen oder anderen Formulierung Anstoß nehmen. Und vielleicht wird er sich auch an Wertungen stören. Wertungen und Auseinandersetzung sind aber durchaus gewollt, denn sie gehören zu lebendiger politischer Bildung.“
Auch in der DDR hat Christian Halbrock es sich nicht leicht gemacht und man hat es ihm nicht leicht gemacht. 1963 geboren, war er unter anderem Mitbegründer der Umweltbibliothek. Seine Zeit im Prenzlauer Berg hat er in dem Aufsatz „Vom Widerstand zum Umbruch: die oppositionelle Szene in den 80er Jahren“ in Prenzlauer Berg im Wandel der Geschichte. Leben rund um den Helmholtzplatz (2004) resümiert. In den neunziger Jahren studierte er Geschichte und Ethnologie und promovierte 2004 zum Thema Evangelische Pfarrer der Kirche Berlin-Brandenburg 1945 - 1961. Amtsautonomie im vormundschaftlichen Staat? Im Ergebnis seiner Arbeit mit dem Bürgerkomitee Normannenstraße entstand Mielkes Revier: Stadtraum und Alltag rund um die MfS-Zentrale in Berlin-Lichtenberg (2010). Wie auch im Fall der Versöhnungskirche oder im Prenzlauer Berg manifestiert sich Geschichte hier vor allem auch in der Stadt, in der die Menschen ihren Alltag (er)leben.
Seine im Vergleich wenig polemische Darstellung von Geschichte erklärt Christian aus seinem eher technischen Temperament (Ausbildung im VEB Schiffselektronik Rostock). Doch ich bin mir da nicht so sicher. All zu oft scheint mir die Beschäftigung mit der DDR politisch motiviert, eine persönliche Abrechnung oder der Wunsch, vorgefertigte Meinungen bestätigt zu finden, oder eine Bestätigung der Folgerichtigkeit des bestehenden Systems.
Aufklärungsarbeit gilt es immer noch zu leisten, so lange z.B. eine große britische Zeitung schreibt, dass in der DDR „rote“ Weihnachten mit einem roten Stern und Agitprop-Gedichten von Erich Weinert gefeiert wurden. Es ließe sich noch so einiges erforschen: Wie man sich auch ohne Westklamotten individuell kleidete, wie man sich im Selbermachen (Wein, Stricken, Nähen, Fahrrad reparieren usw.) ausprobierte, wie und was man las, wie bürgerlich und spießig die DDR auch war. Oder aber auch was diese gewisse Wärme war, die wir empfanden und die uns heute manchmal fehlt. Christian Halbrocks Arbeit mit bestechenden, unbestechlichen Fakten aus Akten zeigt, wie man DDR-Geschichte auch schreiben kann: klug und sachlich und als „fröhliche Wissenschaft“, wie ein Besucher im Gästebuch schreibt.

Donnerstag, 9. Dezember 2010

Samstag, 27. November 2010

Einladung zum Salon am 4. Dezember 2010 mit Christian Halbrock


Blick zurück
Der Westen kündete sich zuerst mit schriller West!-Reklame an. Aus den vertraut-verwitterten Fassaden im Prenzlauer Berg ragten plötzlich die leuchtenden Zigarettenwerbeschilder, von denen bald einige in einem letzten Aufbäumen zerschlagen wurden. Wenig später liefen die Touristen in ihren schweren Lederjacken durch die Straßen und Reisebusse zirkelten um die Ecken, wohl um die Szene, von der es munkelte, zu besichtigen. Zu sehen waren aber nur trostlose Häuser und Straßen, Hundehaufen, Trabanten und Wartburgs, die an den Straßenrändern parkten--auch Menschen. Nach außen hin war die DDR wahrscheinlich seltsam still.
Auch Christian Halbrock, Historiker und Buchautor, hat damals im Prenzlauer Berg gelebt. In seiner Arbeit, nicht nur bei der Birthler-Behörde, befasst er sich mit DDR-Geschichte. Doch ist es nicht die von oben und auch nicht die von unten. Seine Geschichtsschreibung handelt von den Menschen und von ihrer Stadt und davon, wie sich die Politik auf sie auswirkte. Sein neustes Buch heißt Mielkes Revier: Stadtraum und Alltag rund um die MfS-Zentrale in Berlin-Lichtenberg. Berlin: Lukas-Verlag, 2010.
Am 4. Dezember 2010 um 20 Uhr liest Christian Halbrock im Literarischen Salon!
Bitte beachten: Der Salon ist nicht kommerziell und nicht öffentlich. Ich bitte um vorherige Anmeldungen oder Absichtsbekundungen und ggf. kurzfristige Absagen, damit ich besser planen kann (Stühle, Warten wir noch? usw.). Rechtzeitiges Erscheinen sichert gute Plätze und allen einen ungestörten Salon. Getränke, tellerfreies Essen, Blumen sind wie immer willkommen.
Zum Salon gehört eine Katze: Allergiker bitte Vorkehrungen treffen!
Ich freue mich auf Euch.
Viele Grüße
Ina
kontakt@inapfitzner.net

Sonntag, 21. November 2010

Nachlese

In Anlehnung an die Rubrik Lebensläufe, wie sie sein sollten
Arn Aske
Als Arn Aske 1962 im Rheinland geboren wurde, orakelten wohl nur wenige, dass er später in einer Millionenstadt als Ausnahmeautor und Komponist fungieren würde. Wir haben ihn noch unverbraucht und unverdorben vor seinem jeden Moment bevorstehenden Ruhm erleben können. Allerdings drängt sich der Verdacht auf, dass sich entweder beides irgendwie vereinbaren lassen wird--oder er eben jetzt doch erst einmal nicht berühmt wird.
Das hat mit vielen ungewöhnlichen Talenten zu tun. Arn Aske ist seine Arbeit wichtiger, als das, was andere darüber denken. Statt in die einschlägige Szene einzutauchen und zu netzwerkeln, grübelt und feilt und ziseliert er zu Hause an seinen Texten. Und innoviert die Literatur unter ausdrücklicher Berufung auf antike, romantische und andere Vorbilder.
Seine Texte sind nicht einen Deut biografisch: Er spielt nicht—„Vierundzwanzig“, trinkt selten Pastis und fährt nicht Sportwagen –„Schaufenster“, isst keinen Fisch und hat noch nie ein Verbrechen aufgeklärt—„Angler“, ist ein sehr liebenswürdiger Mensch—„Befragung der Angefauchten“ usw. Dabei hat er ein Verfahren entwickelt, bei dem seine Person für das Werk völlig unwichtig ist und dieses gleichzeitig ohne seine Stimme, Diktion und seinen Leseduktus kaum vorstellbar ist. Arn Aske schreibt Partituren, die in der Lesung (mit Notenständer) zur Aufführung kommen.
In den Texten beim Salon wird die Zeit verlangsamt, und zwar nicht einfach in Zeitlupe versetzt, sondern indem sie die Gedankengänge, das innere Argumentieren und Räsonieren der Ichs transkribieren.
Und noch etwas macht Arn Aske zu einem außergewöhnlichen Literaten: Er ist einer der ganz wenigen Autoren, der vorher mit Stühle schleppt und aufstellt, Gläser auspackt und drapiert, und Kissen verteilt. Und manchmal backt er einen seltenen, aber vorzüglichen Apfelkuchen.